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Theater in Zürich-West, Interview Ernst Jäggli, Kaufmännischer Direktor Schauspielhaus AG Zürich, 26. März 2010

In Zürich-West können wir experimentieren und „Schräges" machen. Hier nimmt uns die Theaterwelt wahr und selbst renommierte Regisseure sind interessiert hier zu spielen.

Der Schiffbau war nicht einfach eine spleenige Idee von Marcel Müller und Christoph Marthaler. Ursprünglich waren dort nur Werkstätten und Probebühnen vorgesehen - insgesamt vier Probebühnen. Erst mit der Zeit kam die Idee, die Halle auch für den Spielbetrieb einzusetzen. Die Grosse Halle sollte verkauft oder gesamthaft vermietet werden. Dies gelang nicht. Dafür fand in der Halle die Eröffnungsfeier mit der Produktion „Hotel Angst" statt. So wuchs langsam die Idee, den Standort Zürich-West als weiteren Bühnenort aufzubauen.

new05.jpgWürden Sie heute nochmals einen Entscheid für Zürich-West treffen?
Heute kennt man in der Theaterwelt den Schiffsbau. Der Pfauen ist renommiert und bekannt in der Schweiz. Der Schiffbau hingegen ist etwas Exklusives, worauf die Theaterwelt schaut: eine grosse, leere Halle, in der nichts vorgegeben ist. So eine Umgebung reizt auch grosse Regisseure. Solch ein Volumen wäre bei einem Neubau nicht möglich gewesen.

Gibt es einen Zusammenhang zu Zürich-West?
Natürlich hat das heutige Haus mit Zürich-West zu tun: Die Industrie hat den Groove gegeben. Wo findet man heute noch so etwas!
Der Schiffbau ermöglicht es uns, „Spezielles" und „ganz Anderes" zu spielen. Hier werden wir anders wahrgenommen als im etablierten Pfauen. Auch das Publikum ist teilweise ein völlig Anderes als im Pfauen.

In ihrem Haus sind weitere Einrichtungen wie das Moods untergebracht sowie das Restaurant La Salle und die Nietturmbar. Wie beurteilen Sie die Synergien aus heutiger Sicht, die aus solch einem Konzept entstehen?
Die Nebennutzungen, die verpachtet sind, waren von Anfang an geplant und ergänzen das Haus. Seit kurzen wurde nun auch das Foyer zum Aufenthaltsraum umfunktioniert mit Sitzgelegenheiten und Barbetrieb im Rahmen der Vorstellungen. So besteht eine gute Mischung an Angeboten, die unterschiedliche Gruppierungen anspricht.

Können Sie sich eine intensive Öffnung ihres Hauses zum Turbinen-Platz vorstellen?
Die Aussicht von den Werkstätten auf den Turbinenplatz ist sensationell. Leider besteht vom Platz her nur ein kleiner Eingang in unser Haus. Eine umfassendere Öffnung ist leider nicht mehr möglich, da hier unsere Werkstätten quer liegen.

new05_2.jpgWie sieht die Zukunft für den Betrieb des Schauspielhauses aus? Gibt es Neuerungen? Ist eine Feier zum 10-jährigen Bestehen geplant?
Das Grundstück ist bis heute noch nicht verkauft. Die Vertragsverhandlungen laufen jedoch für eine Liegenschaften AG, in der die Stadt 2/3 und das Schauspielhaus 1/3 der Aktien haben wird. Damit liegt auch seitens der Stadt ein klares Commitment zum Schiffsbau vor. Dies ermöglicht uns, dass wir uns wieder aufs Kerngeschäft, den Theaterbetrieb, konzentrieren können. Damit fliessen die Subventionen wieder direkt in den Theaterbetrieb und nicht auch noch in den Liegenschaftenunterhalt.

Es ist eine Feier in der zweiten Septemberhälfte 2010 geplant. Genaueres kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht sagen.

Der Verein beschäftigt sich zur Zeit intensiv mit Fragen der Quartierentwicklung und mit den zunehmenden Problemen mit Gewalt und Littering, insbesondere in der Nacht.
In unserer neuen Lounge hatten wir bisher noch keine Probleme mit Sachbeschädigungen. Wir sind eher mit Littering und Sprayereien konfrontiert. Insbesondere sind hiervon auch die umgebenden Aussenräume wie der Vorplatz mit den kaputten Bänken und die Seitenfront mit den Sauereien im Grünstreifen. Das Sicherheitsthema und attraktive Aussenräume sind von uns daher ein Anliegen an den Verein.